„Du und ich sind eins“

Hochzeitspaar - Nähe und Distanz

Schon in der Bibel finden wir auf den ersten Seiten die Sehnsucht nach Einheit.

 

Dies drückt sich in der Wendung „Ein Fleisch sein“ aus.

Gemeint ist nicht nur die körperliche Einheit sondern auch das geistige Miteinander.

Sie sind „ein Herz und eine Seele“.

Diese Einheitserfahrung kann dann tatsächlich die Erfahrung schenken, ganz miteinander verbunden zu sein.

 

In einer übersteigerten Form mündet diese Liebes und Einheitsvorstellung in eine Verschmelzung der beiden Personen.

Die beiden ertrinken sozusagen in einem Meer der Gefühle.  Sie träumen von einem Einssein, das nie zu Ende geht. Sie wollen alles zusammen tun und gemeinsam erleben.  Es entsteht eine Symbiose, eine gegenseitige Abhängigkeit, ohne die sie nicht mehr erleben können.

 

Doch das ist nicht die ganze Wirklichkeit. Damit die eheliche Einheit als eine Einheit freier und erwachsener Menschen erlebt wird, brauchen Partner auch einen gesunden Abstand zueinander.

Wenn ich immer direkt vor meinem Partner stehe, sehe ich ihn immer nur mit einem schielenden Blick an. Ich nehme ihn nicht mehr als ganzen Menschen war. Wenn ich umgekehrt zu weit von weg stehe, nehme ich keine Einzelheiten von ihm war. Wichtig ist das Wechselspiel von Nähe und Distanz.

 

 Beziehung lebt von der Spannung und Ballons zwischen Nähe und Distanz. Zwischen eins sein und „Für-sich-sein“.

 

Ich erlebe das, wenn ich  beispielsweise  einige Tage auf Dienstreise bin. Wenn ich dann nach Hause komme, fliege ich regelrecht auf meine Frau, es zieht mich zu ihr hin. Die zeitweise Trennung hat den natürlichen Spannungsbogen zu ihr hin wieder erhöht.

 

Das ist eine gute Erfahrung. Wir spüren beide, dass zwischen uns eine fast magnetische Spannung gibt, die wir besonders wahrnehmen, wenn wir eine Zeit lang getrennt sind.

 

Doch könnten wir eine solche Anspannung kaum dauerhaft auf Recht erhalten und ertragen. Wir benötigen eine Balance zwischen Nähe und  Entfernung. Nur wenn auch gesunde Distanz zwischen uns möglich ist, können wir die Nähe als interessant,  anziehend, erstrebenswert erfahren. Diese Balance zwischen Nähe und Distanz erfordert Übung und Sensibilität.

 

Fragen:

  • Wann sind wir zu nah beieinander beginnen, einander auf die Nerven zu gehen?
  • Und wann sind wir zu weit auseinander, so dass wir einander fremd werden?